Vom Sanierungsrisiko zur belastbaren Zahl
Sanierungsbedarf belastbar berechnet mit Energie Design
Kurzüberblick
Was ist eine Immobilie wert, wenn das bestehende Heizsystem nur 28 % der tatsächlichen Spitzenlast abdeckt und das Gebäude nach CRREM bereits als gestrandet gilt?
Vor genau dieser Frage stand der Käufer eines Industrie- und Bürokomplexes kurz vor dem Closing. Eine klassische Technische Due Diligence hätte den baulichen und technischen Zustand dokumentiert. OPTIMUSE ging einen Schritt weiter und übersetzte die erkannten Risiken in konkrete Investitionskosten und eine wirtschaftlich optimierte Sanierungsstrategie. Dafür wurde ein digitaler Zwilling erstellt und fünf mögliche Sanierungsvarianten wurden simuliert.
Das Ergebnis: 1,48 Mio. € quantifizierter CAPEX für die wirtschaftlich optimale Lösung, 64 % weniger Energiebedarf und 81 % weniger CO₂-Emissionen – eine belastbare Grundlage für die Kaufpreisverhandlung und eine konkrete Sanierungsroadmap für die Zeit nach dem Erwerb.
Das Projekt und die Herausforderung
Das Objekt
| Kennwert | Wert |
|---|---|
| Gebäudetyp | WertIndustrie- und Bürokomplex |
| Baujahr | Wert1990 |
| Bruttofläche | Wert7.280 m² |
| davon Lager- und Industrieflächen | Wertrund 4.000 m² |
| davon Büro- und Werkstattbereiche | Wertrund 2.000 m² |
Die Gebäudetechnik im Bestand
- Gaskessel mit ungedämmter Wärmeverteilung
- Deckenstrahler in den Hallen, Radiatoren in den Bürobereichen
- Kühlung nur im Bürotrakt
- keine mechanische Lüftung, keine Wärmerückgewinnung, keine Photovoltaik
- Foliendach am Ende seiner Nutzungsdauer
Die Frage des Käufers
Für den Käufer ging es deshalb um mehr als eine reine Zustandsbewertung. Entscheidend war, welche Investitionen nach dem Kauf tatsächlich notwendig werden und welcher Sanierungsbedarf bereits im Kaufpreis berücksichtigt werden muss.
Die Technische Due Diligence der Immobilie sollte daher nicht nur Mängel identifizieren. Sie sollte den notwendigen CAPEX quantifizieren und zeigen, welche Maßnahmen über den Lebenszyklus wirtschaftlich sinnvoll sind.
Risiken, die erst durch die Simulation sichtbar wurden
Die Analyse brachte zwei wesentliche Risiken ans Licht.
Risiko 1: Das Heizsystem deckt nur 28 % der Spitzenlast
| Leistung | |
|---|---|
| Vorhandener Gaskessel | Leistung211 kW |
| Simulierte Spitzenlast des Gebäudes | Leistungrund 750 kW |
| Deckung des tatsächlichen Bedarfs | Leistung28 % |
Diese Versorgungslücke war im laufenden Betrieb über Jahre nicht eindeutig sichtbar.
Risiko 2: Stranded Asset nach CRREM
Gleichzeitig zeigte die CRREM-Analyse, dass der Emissionspfad des Gebäudes bereits oberhalb der zulässigen Dekarbonisierungskurve lag. Die Immobilie war damit schon vor dem Erwerb ein Stranded Asset.
Ohne gezielte Maßnahmen wären steigende Betriebskosten, notwendige Ersatzinvestitionen und ein fortschreitender Wertverlust absehbar gewesen.
Lösungsansatz
OPTIMUSE erstellte aus Bestandsplänen, IFC-Daten und TGA-Schemata einen digitalen Zwilling des Gebäudes. Das Modell umfasste 99 thermische Zonen und berücksichtigte Ausrichtung, Umgebung und Verschattung.
Fünf Sanierungsstrategien, auf Stundenbasis simuliert
Auf dieser Grundlage wurden fünf Sanierungsstrategien simuliert, unter anderem:
- eine LED-Nachrüstung
- eine umfassende Hüllensanierung
- der Austausch der Wärmeerzeugung
- eine vollständige Kernsanierung
Für jede Variante berechnete OPTIMUSE die Investitionskosten, den Energiebedarf, die CO₂-Emissionen und die diskontierten Lebenszykluskosten nach VDI 2067.
Die wirtschaftlich optimale Strategie
Als wirtschaftlich optimale Strategie erwies sich die Kombination aus Luft-Wasser-Wärmepumpe, Photovoltaik und intelligenter LED-Beleuchtung.
Entscheidend war nicht die maximal mögliche Energieeinsparung. Ausschlaggebend war das beste Verhältnis aus Investition, Betriebskosten, CO₂-Reduktion und Umsetzungssicherheit.
Die Ergebnisse der empfohlenen Strategie
| Ist-Zustand | Empfohlene Strategie | Veränderung | |
|---|---|---|---|
| Spezifischer Energiebedarf | Ist-Zustand213 kWh/m²a | Empfohlene Strategie75 kWh/m²a | Veränderung−64 % |
| Gesamtenergiebedarf pro Jahr | Ist-Zustandrund 1,72 Mio. kWh | Empfohlene Strategierund 612.000 kWh | Veränderung−64 % über 1,1 Mio. kWh pro Jahr |
| CO₂-Emissionen | Ist-Zustandfossil (Gas) | Empfohlene Strategieelektrisch, teils Eigenstrom | Veränderung−81 % |
| Quantifizierter CAPEX | Ist-ZustandSanierungsrisiko, nicht beziffert | Empfohlene Strategie1,48 Mio. € | Veränderungverhandelbare Größe |
Ergebnis 1: 64 % weniger Energiebedarf
Mit der empfohlenen Strategie sinkt der spezifische Energiebedarf von 213 auf 75 kWh/m²a. Der jährliche Gesamtenergiebedarf reduziert sich von rund 1,72 Mio. auf rund 612.000 kWh. Das entspricht einer Einsparung von mehr als 1,1 Mio. kWh pro Jahr.
Die Analyse des Lastprofils zeigte zudem, dass eine Systemleistung von 600 kW bereits mehr als 98 % des jährlichen Bedarfs abdeckt. Dadurch konnte die Wärmepumpe am tatsächlichen Gebäudebetrieb ausgerichtet werden statt an wenigen theoretischen Spitzenstunden. So wurde eine unnötige Überdimensionierung vermieden.
Ergebnis 2: 81 % weniger CO₂-Emissionen
Der Wechsel von fossiler Energie auf eine elektrische und teilweise selbst erzeugte Versorgung reduziert die CO₂-Emissionen um 81 %. Damit wird das Gebäude wieder unter die relevante CRREM-Kurve geführt. Aus einem gestrandeten Asset entsteht eine Immobilie mit einem belastbaren Dekarbonisierungspfad.
Das reduziert zukünftige wirtschaftliche Risiken und verbessert die Grundlage für Bewertung, Finanzierung und Vermarktung.
Ergebnis 3: 1,48 Mio. € CAPEX als Verhandlungshebel
Der notwendige Sanierungsbedarf wurde nicht pauschal geschätzt. Die Investitionskosten wurden für die wirtschaftlich optimale Strategie berechnet und mit vier alternativen Varianten verglichen. Das Ergebnis ist ein quantifizierter CAPEX-Bedarf von 1,48 Mio. €.
Für den Käufer wurde aus einem allgemeinen Sanierungsrisiko damit eine konkret verhandelbare Größe. Der Investitionsbedarf konnte bereits vor dem Closing in die Kaufpreisverhandlung einbezogen werden.
Wirtschaftlich statt maximal
Die Simulation zeigte auch, dass eine vollständige Sanierung der Gebäudehülle nicht automatisch die beste Lösung gewesen wäre.
Eine umfassende Hüllensanierung reduzierte den Energiebedarf nur begrenzt, solange der fossile Wärmeerzeuger bestehen blieb. Selbst in Kombination mit neuer Anlagentechnik war der zusätzliche Nutzen im Verhältnis zum höheren CAPEX gering.
Das ist der Kern: Der größte wirtschaftliche Hebel lag bei diesem Objekt in der Erneuerung und präzisen Dimensionierung der Wärmeerzeugung – nicht in der Hülle.
So wurde aus einer klassischen Technischen Due Diligence eine belastbare Entscheidungsgrundlage für Kaufpreis, Sanierung und späteren Gebäudebetrieb.
Ergebniszahlen
Jetzt kostenlos Demo buchen
Buchen Sie jetzt ihr kostenlosen Beratungstermin und erfahren Sie persönlich, wie Sie mit OPTIMUSE in Ihren Projekten Geld sparen können.